Mit der Drohne Rehkitze vor dem Mähwerk retten

Hoetmar / Everswinkel, Oliver Baumjohann, Die Glocke

Kurz nach vier Uhr morgens in der Everswinkeler Bauerschaft Schuter: am Horizont lässt sich im Osten die aufgehende Sonne erahnen, im Scheinwerferlicht des Autos tauchen nacheinander zwei Hasen, ein Marder und ein Rehbock auf. Als Carsten Recker seinen Wagen etwas später abstellt, herrscht Stille.

Die allerdings weicht schnell routinierter Aktivität. der Hoetmarer öffnet die Heckklappe seines Wagens ebenso wie den darin liegenden Koffer, entnimmt eine Drohne und die dazugehörige Fernbedienung und bereitet beides auf den Einsatz vor. Das Mobiltelefon wird mit der Fernbedienung verbunden und dient als Bildschirm, auf den die „Mavic 2 Dual“-Drohne ihre Aufnahmen sendet – wahlweise als Wärmebild, reales Bild oder eine Mischung aus beidem. Kurz danach drückt Carsten Recker einen Knopf, vier Propeller beginnen sich zu drehen und das Gerät hebt leise surrend ab. Nun gilt es, in einer Flughöhe von rund 15 Metern die richtige Position zu finden, das Gerät Bahn für Bahn über das hohe Gras des Feldes in der Bauernschaft zu steuern und dabei das Handydisplay nicht aus den Augen zu verlieren. Taucht in der dort sichtbaren Wärmebildaufnahme eine ungewöhnliche Signatur auf? Hat ein Tier in dem hüfthohen Gras ein Versteck gesucht und gefunden?

In erster Linie sucht Carsten Recker mit Hilfe der Drohne nach Rehkitzen. Die nämlich wären dem mehrere Meter breiten Mähbalken bei der Grasernte hilflos ausgeliefert. „Die kauern sich an den Boden und flüchten nicht vor der Maschine“, weiß Recker. Und können auch vom Fahrer des Mähfahrzeuges nicht entdeckt werden. Wie recht Recker damit hat, zeigt sich nur wenige Minuten später. Der Hoetmarer stoppt den Vorwärtsflug der Drohne, steuert das Gerät tiefer, schaltet um zwischen Wärmebild und realer Aufnahme. „Da ist etwas“, vermutet er, gibt die Drohenfernsteuerung Jagdpächter Hugo Stelthove in die Hand und macht sich auf ins Gras. Und in der Tat findet Recker ein Rehkitz in der Wiese. Mit abgeschnittenem Gras in der Hand greift der Hoetmarer zu, nimmt das Tier in seine handschuhten Hände, setzt es wenig später in einen mit Gras ausgelegten Wäschekorb und übernimmt wieder die Steuerung der Drohne.

Für einen kurzen Moment jedenfalls, denn in unmittelbarer Nähe der ersten Liegestelle taucht eine weitere auffällige Wärmesignatur auf und wenig später liegt ein zweites Rehkitz in einem zweiten mit Gras ausgelegten Wäschekorb. „Das sind Zwillinge“, ist Carsten Recker sicher. Und Hugo Stelthove ergänzt: „Vielleicht zwei bis drei Tage alt.“ Natürlich bleiben die Kitze nicht lange in den Wäschekörben. Hugo Stelthove und Reinhard Kleikamp tragen sie einige hundert Meter weit weg und legen sie auf einer benachbarten Wiese wieder ins Gras. „Dort wird die Ricke sie wiederfinden“, sind die beiden Jagdpächter sicher.

Quelle: Bericht Warendorfer Stadteile vom 25.06.2021, Fotos u. Artikel von Oliver Baumjohann, Die Glocke

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